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Aus dem Schuljahr

21.10.2019

Zeitzeugengespräch mit Herrn Gerhard Maschkowski (Überlebender des KZ Auschwitz-Birkenau)

Am 21.10.2019 hatte unsere Schulgemeinschaft die große Ehre einen der letzten Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau in unserer Aula als Gast begrüßen zu dürfen. In zwei aufeinanderfolgenden Gesprächen berichtete Herr Maschkowski den Schülerinnen der Klassenstufe 9, 10, Kursstufe I & Kursstufe II, trotz seines stolzen Alters von 94 Jahren in über 3 ½ Stunden Gespräch von seinem Erlebten.

Beginnend mit der Kindheit in der Nähe von Danzig, berichtete er von seinen Erfahrungen mit alltäglicher offener Ausgrenzung ab 1933, der zunehmenden Diskriminierung und Einschränkung der persönlichen Freiheit, wie beispielsweise dem Schulverbot für jüdische Kinder, sowie den Arbeitseinsätzen in mehreren Lagern in der Nähe von Hannover und Berlin. Im April 1943 wurde Herr Maschkowski ins Lager nach Auschwitz deportiert und überlebte „mit viel Glück“ und der „Unterstützung seiner guten Freunde“, wie er sagte, die Zeit im Lager bis Januar 1945. Sehr eindrücklich und offenherzig berichtete er seinen Zuhörern von den für Nachgeborene unvorstellbaren Grausamkeiten die er während des Transports, der Selektion, des Alltags im Lager sowie auf den anschließenden „Todesmärschen“ von Januar bis April 1945 erfahren und aushalten musste.

Schon teilweise fast verwundert und beeindruckt folgten jeweils gut 250 Schülerinnen und Kolleginnen und Kollegen seinen zum Teil auch sehr launigen Ausführungen über die positiven Erfahrungen und kleinen und großen Glücksmomente seines Leben, die sich mit den Schrecken des Lagerlebens und den Grausamkeiten und des Leids der Todesmärsche in seinem Vortrag verwoben. Das Glück des Wiedersehens mit den Eltern in einem Flüchtlingscamp in Deggendorf in Bayern, die Leichtigkeit dieser Zeit nach dem Leid der vorangegangenen Zeit und der gelungene Neuanfang in den Vereinigten Staaten nach 1947 boten den Zuhörern den Kontrast zur Erfahrung der Hinrichtung des besten Freundes, des wahllosen Tötens aller erschöpften und ausgelaugten Häftlinge auf dem Todesmarsch, die nur 2 Beispiele des unvorstellbaren Ausmaßes an Unmenschlichkeit & Menschenverachtung als Folge des staatlichen Rassismus dieser Zeit in Deutschland darstellten.

All diese Erfahrungen spiegeln sich in seiner Biographie wieder. Wir möchten Herrn Maschkowski an dieser Stelle erneut von ganzem Herzen danken, dass er gerade zur jetzigen Zeit, in der Rassismus und Antisemitismus bedauerlicherweise wieder ein gesellschaftliches Thema in Deutschland sind, bereit war, uns zu berichten.

Danken möchten wir ebenfalls allen, die die Umsetzung der Veranstaltung ermöglicht haben:

• Herrn Thiel für die Vorbereitung der Aula
• Herrn Weiss-Calà und der StageCrew für die Vorbereitung und Betreuung der Technik
• den Mitarbeitern der Pforte für die Betreuung und den herzlichen Empfang aller Gäste
• Frau Nutbohm vom SWR für das Angebot des Gesprächs, die Koordination und die großzügige Hilfe im Zuge der Vorbereitungen
• den Mitarbeitern des Jugendhaus Stuttgart-Mitte für das Filmen der Vorträge und die Aufbereitung des Materials
• dem Förderverein der Schule für die finanzielle Unterstützung des Filmprojekts, das das Filmmaterial bearbeiten und auch für künftige Schülergenerationen aufbereiten wird
• Frau Freyler vom SWR-Hörfunk für das Interesse und den schönen Hörfunkbeitrag
• Frau Lotter und ihrem Team vom SWR-Fernsehen für das Interesse, den Beitrag über Herrn Maschkowski und die gute Zusammenarbeit
• Frau Lorenz von der Stuttgarter Zeitung, dass wir ihren Artikel ergänzen für alle Leser auf die Homepage stellen dürfen
• den Schülerinnen Anna Rosenberger, Jule Seybold und Anna Schäfer aus der Klasse 9c für die Grundlage dieses Berichtes.

(Andreas Gräf für die Fachschaft Geschichte)