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Aus dem Schuljahr

13.05.2020

Reportagen aus dem Homeschooling-Alltag

Wie ist es – das Leben in der ersten Woche der „Coronaferien“, wie wir sie oft nennen?

Die Schülerinnen der 9a haben sich mit dieser Frage in Form einer Reportage auseinander gesetzt. Im Deutschunterricht wäre eigentlich gerade das Thema „Zeitung“ dran. So wie geplant, z.B. mit einen Probe-Abo der Stuttgarter Zeitung und einem Besuch einer Redakteurin, kann die Unterrichtseinheit nun nicht ablaufen. Dafür bieten diese Wochen den Schülerinnen die Möglichkeit, daheim selbst produktiv zu werden und selbst Journalist zu sein.

Und so kamen circa dreißig spannende Texte heraus – mal aus der Ich-Perspektive, mal so, als hätte eine Reporterin die Reportage über sie verfasst. Immer aber sind sie unterhaltsam und bieten zugleich einen Einblick in den Alltag von Schülern und Schülerinnen in dieser verrückten Zeit. Viel Freude beim Lesen wünschen wir Ihnen!

Franziska Jantschke

 

CORONA = HOMESCHOOLING
Von Freya Aichele 23. März 2020 – 12:00 Uhr

Auf Grund der aktuellen Corona Krise bleiben auch die Schulen geschlossen. Was erst für viele nach Ferien aussah, fordert jetzt frühes Aufstehen und viel Selbstdisziplin von den Schülern.

Leonberg - „So aufgeräumt war mein Zimmer lange nicht…“, sagt Freya Aichele. Durch die großen Fenster scheint die Sonne auf ihren Schreibtisch und die vielen Bücherregale. „Ohne mein Handy und die täglichen Telefonate mit meinen Freundinnen würde mir hier die Decke noch auf den Kopf fallen.“ 30 min entfernt von Stuttgart, in einem Dorf, nah am Waldrand, steht die Doppelhaushälfte, in der die 15-jährige Freya zusammen mit ihren Eltern und ihrer 10-jährigen Schwester Mayra wohnt. Normalerweise steht das Haus tagsüber fast leer, man sieht sich hauptsächlich bei den Mahlzeiten oder am Wochenende. Die Kinder sind in der Schule und die Eltern bei der Arbeit. Wenn nicht grade Hausaufgaben gemacht werden oder eine Klassenarbeit ansteht, wird der Nachmittag mit Freunden oder Freizeitaktivitäten verbracht.

Als es dann vergangenen Freitag hieß „Coronaferien“, war die Freude zunächst groß: Ausschlafen und danach Freunde treffen oder den ganzen Tag bei den Pferden verbringen. So sah wohl die Vorstellung von den nächsten Wochen nicht nur bei der Schülerin des Mädchengymnasiums St. Agnes in Stuttgart aus. Doch bereits am Wochenende wurde klar, dass die Realität anders aussehen würde.

Organisation

Am Montag erfolgte dann der vorerst letzte Schulbesuch. Die Lehrer und Lehrerinnen, die am Wochenende alle auf Hochtouren gearbeitet hatten, haben den Schülerinnen Materialien, Aufgaben und allerlei Tipps und Ratschläge gegeben, wie sie die folgende Zeit gut strukturieren und organisieren können.

„Zum Glück haben wir die Möglichkeit, mit unseren Lehrern durch IServ in Kontakt zu bleiben.“

Das Mädchengymnasium hatte erst in den letzten Wochen alle Schülerinnen in die schulinterne Onlineplattform IServ eingeführt. So können die Schülerinnen jetzt darüber neue Materialien bekommen, bereits bearbeitete Aufgaben an die Lehrer senden, um eine Rückmeldung zu erhalten und ihre aufkommenden Fragen klären.

Schule hat manchmal doch was

Das war der Gedanke, der die Schülerin die erste Woche lang begleitete. „Natürlich genieße ich, dass ich bis um 8 Uhr schlafen kann und dann selbst aussuchen darf, wann ich welche Aufgaben und Fächer mache. Aber es ist einfach langweilig!“ Das Gleiche hört Freya auch in den Nachrichten auf WhatsApp von ihren Freundinnen. Vielen ist es schwergefallen, sich aufzuraffen, um etwas für die Schule zu tun. Diejenigen haben sich dann am Freitag in der Klassengruppe beschwert, dass der Berg an Aufgaben kaum zu bewältigen sei und der ganze Vormittag für das selbstständige Lernen geopfert werden würde. Freya ist da anderer Ansicht. „Es sind nun mal keine Ferien. Wenn ich meinen jetzigen Corona-Alltag mit dem davor vergleiche, ist es momentan deutlich entspannter und ich kriege mehr Schlaf.“, sagt sie mit einem Grinsen. Unter normalen Umständen ist die Gymnasiastin unter der Woche von 8 bis mindestens 13 Uhr in der Schule, nicht zu vergessen die zwei Stunden Fahrzeit jeden Tag und zweimal die Woche Mittagsschule. Auch an den „freien“ Nachmittagen ist Schule noch ein Thema: Hausaufgaben müssen erledigt werden und für die nächste Klassenarbeit wird auch am Wochenende noch gelernt.

Soziale Kontakte

„Am meisten vermisse ich meine Freunde. Mit meiner besten Freundin Franzi bin ich zwar den ganzen Tag am Schreiben oder Telefonieren, aber das ist eben nicht das Gleiche, wie den ganzen Tag in der Schule nebeneinander zu sitzen.“ Mal eben, wenn man schon mit den Aufgaben fertig ist, mit ihr zu flüstern oder in der Pause wichtige Diskussionen über nervige Lehrer oder Jungs zu führen, ist jetzt nicht mehr möglich. Freya merkt zwar, dass sie dadurch konzentrierter und intensiver arbeitet, aber grade für Jugendliche ist der Kontakt zu ihren Freunden enorm wichtig.
Alle müssen oder sollten so gut es geht zu Hause bleiben. Auch für Freyas Familie ist das eine sehr ungewohnte Situation: „Wir müssen uns echt zusammenraufen, dass wir uns nicht die Haare kriegen.“ Um zu den Schulaufgaben einen Ausgleich zu bekommen, macht Freya in einer Pause Yoga-Übungen, geht nachmittags Fahrrad fahren oder abends mit ihrer Familie eine Runde raus. Zweimal die Woche kann sie ein Glück auch noch in den Stall gehen. Dafür ist sie sehr dankbar. Wenn das nicht möglich ist, wird eben das Zimmer nach Langem mal wieder aufgeräumt oder gemütlich auf der Couch ein Buch gelesen. „Ich merke total, wie sich alles irgendwie entspannt und man sich wieder mehr Zeit für Dinge nimmt. Das finde ich total schön und ich glaube, so ein Einschnitt in den Alltag hat den Menschen grade mal ganz gut getan. Jetzt merken wir, wie gut wir es haben und wie klein unsere eigenen Probleme doch eigentlich sind“

 

Repotage zu ersten Corona-Ferienwoche
von Anastazja K.

Drei zusätzliche Wochen Ferien- das mag für jeden Schüler zuerst wie der der Himmel auf Erden klingen. Nicht aber, wenn drei Wochen Corona-Ferien sind.

Am Montag, den 16. März 2020, verabschieden sich die Schüler in allen Schulen Baden-Württembergs für eine ungewisse Zeit von mindestens fünf Wochen. Von einer allgemeinen Vorfreude, die noch am Freitag davor alle überfüllte, ist jetzt fast keine Spur mehr da. Ab sofort werden sie drei Wochen lang eine Art „Home-Schooling“ machen müssen, wobei keiner sicher sagen kann, ob das funktionieren wird.

Dienstag, den 17. März: Ich wache um 07:30 Uhr auf - etwas Unnormales mitten in einer Schulwoche, aufgeweckt von der hellen Sonne, die fröhlich durch das Fenster direkt auf mein Gesicht scheint. Gemütlich mache ich mir das Frühstück, auch etwas eher Seltenes an einem Dienstag. Dann gehe ich in das Zimmer meiner Geschwister, um sie zu wecken. Hier merke ich, dass der Tag doch nicht so schön wird. Ich muss bis mindestens 17:00 Uhr auf sie aufpassen, denn unsere Eltern arbeiten beide. Einzeln sind mein Bruder und meine Schwester noch auszuhalten, aber wenn sie über einen längeren Zeitraum zusammen sind, wird es schier unmöglich. Wie erwartet nerven sie. Meine fünfjährige Schwester möchte mit jemandem spielen, mein elfjähriger Bruder möchte aber lesen und ich versuche, mich auf Chemie zu konzentrieren.

Die nächsten Tage werden auch nicht leichter, da mein Bruder merkt, dass er vormittags von 08:30 bis 12:00 Uhr eine Art Online-Unterricht hat und sich in seinem Zimmer einschließt, da er „Ruhe braucht“. Meine Schwester verfügt aber leider nicht über die Fähigkeit, sich selbstständig zu beschäftigen und so werde ich ständig mit einem „mit ist langweilig“ und „ich möchte spielen“ bei meiner Interpretation in Deutsch unterbrochen.

Nachmittags wird es ruhiger, da sie dann nach draußen gehen und ich meine Ruhe habe. So kann ich mich auch ungestört dem Papierschöpfen widmen, das ich für einen Wettbewerb brauche. In diesem Sinne sind die Corona-Ferien sehr positiv, ich habe viel Zeit dafür. Die Tatsache, dass man bei diesem Wettbewerb 250€ gewinnen kann, lässt mich noch mehr Aufwand aufbringen, damit das geschöpfte Papier so schön wie es geht wird.

Das Blödeste an diesen „Ferien“ ist aber, dass man gänzlich abgeschottet sein muss.
Draußen spürt man den Frühling, es ist warm und schön, aber man kann weder ins Schwimmbad noch sonst irgendwohin. Auch mit den Freunden darf man sich nicht treffen, es bleiben nur die virtuellen Kontakte in sozialen Netzwerken, was aber auf die Dauer nicht ausreicht, wie ich nach einer Woche feststelle. Am Donnerstag, den 19.03.2020, verspreche ich meinen Geschwistern, dass ich mit ihnen Fahrrad fahren gehe, sobald ich fertig bin. Wir gehen nach draußen, alle gut gelaunt, und machen uns auf den Weg auf einen Spielplatz. Dabei müssen wir ca. 3 km entlang des Neckars Fahrrad fahren. Es ist schönes Wetter, die Sonne scheint, es ist warm und wir kommen relativ schnell am Spielplatz an. Schon von Weitem erblicke ich das rot-weiß gestreifte Band, das mir schon oft in Bussen begegnet ist. Wir fahren näher heran, wobei ich schon eine Art Vorahnung empfinde. Und tatsächlich: Es hängt ein Schild, welches darüber informiert, dass der Spielplatz wegen des Corona-Viruses bis auf Weiteres geschlossen ist. Dieses „Bis auf Weiteres“ kann ich überhaupt nicht leiden, es drückt die ganze Ungewissheit der jetzigen Lage aus.
Es bleibt und nichts anderes übrig, als umzukehren und zu hoffen, dass es noch ein wenig brauchen wird, bis wir das Haus nicht mehr verlassen dürfen.

 

Reportage Corona Ferien
Pia Kerk

Wegen der aktuellen Corona Pandemie bleiben vorerst alle Schulen in Baden- Württemberg geschlossen - das klingt erstmal super für alle Schüler, die sich anfangs noch über drei zusätzliche Ferienwochen gefreut haben…aber ist das wirklich so toll?

„Ich habe mich anfangs sogar noch auf die drei zusätzlichen Ferienwochen gefreut“ berichtet die 15-jährige Pia Kerk aus Ditzingen. Inzwischen hat sich ihre Meinung sehr verändert und sie erzählt, dass es viel Selbstdisziplin und Organisation erfordert, um mit den täglichen Aufgaben, die von den Lehrern gestellt werden, klarzukommen. „Die ersten drei Tage waren für mich am schwierigsten, weil ich Schwierigkeiten hatte, mich erstmal zu organisieren und mit der großen Menge an Aufgaben zurechtzukommen, aber inzwischen hat sich alles ein wenig mehr eingependelt“ – das trifft bestimmt auch auf viele andere Schüler in Deutschland zu, denn das selbstorganisierte Lernen ist etwas ganz Neues für alle, aber vielleicht auch eine gute Übung für das spätere Leben.

Eine viel größere Herausforderung für die 15-jährige ist im Moment die Tatsache, dass sie Zuhause bleiben muss und ihre Freunde nicht sehen kann. „Ich wäre ohne soziale Medien und mein Handy komplett verloren“ berichtet sie außerdem. Auch die neue App Houseparty, einer Art Chatroom, wo man sich mit vielen Freunden unterhalten kann, rettet ihr regelmäßig das Leben. „Erst gestern habe ich gut drei Stunden mit meiner Freundin telefoniert, aber alle Apps können natürlich den persönlichen Kontakt nicht ersetzen…ich vermisse es, mit meinen Freunden etwas zu unternehmen, oder Essen oder shoppen zu gehen“.

Aber es gibt ja immer noch andere Möglichkeiten, sich zu beschäftigen: „Mir ist definitiv nicht langweilig, es gibt eigentlich immer etwas für die Schule zu tun oder ich telefoniere mit Freunden oder Verwandten. Außerdem habe ich immer noch einmal in der Woche via WhatsApp Klavierunterricht und ich engagiere mich in dem Projekt „Nachbarschaftshilfe“ von unserer Kirchengemeine, wo ich für ältere Menschen und Risikogruppen einkaufen gehe - das ist auch eine gute Möglichkeit, mal aus dem Haus zu kommen“. Zudem hat sie ja noch ihre Familie, mit der sie sich gut amüsieren, aber auch streiten kann…aber das ist ja eigentlich unvermeidbar.

„Inzwischen hoffe ich aber schon, dass die Schulen bald wieder geöffnet werden und sich alles wieder normalisiert“- und ich denke, darauf hofft der Rest der deutschen Bevölkerung ebenfalls!

 

Fünf Wochen keinen Unterricht ...
Chiara Klasse 9a

„Fünf Wochen keinen Unterricht, soziale Kontakte meiden und so viel wie möglich zu Hause bleiben“ so hieß es, als vor einer Woche die Schulen und Kindertagesstätten geschlossen wurden.
Die Bahnen sind schon leer, als die Schüler ein letztes Mal nach Hause fahren für eine noch unbestimmte Zeit. Dauernd wird in den Nachrichten empfohlen, zu Hause zu bleiben und nur für das Nötigste das Haus zu verlassen. Jetzt hat die Corona-Welle auch uns erreicht. Ein Zustand, wie es ihn noch gegeben hat. Es geht darum, das Virus zu verlangsamen, damit sich so wenig Menschen wie möglich neu infizieren. Vor allem für die ältere Bevölkerung ist es äußerst gefährlich.

Auch ich habe mich komisch gefühlt, das letzte Mal mit der Bahn zu fahren, ohne zu wissen, wie lang dieser Ausnahmezustand anhalten wird. Die sonst so vollen Bahnhöfe oder vielbefahrenen Straßen sind menschenleer und wie stillgelegt. Vereinzelt noch Büroleute, die auf dem Weg zur Arbeit sind.

Die Sonne scheint mit warmen Sonnenstrahlen durch mein Fenster und taucht das Zimmer in goldenes Licht. Ein leichter Wind umspielt meine Vorhänge und zieht mich regelrecht nach draußen, um einen schönen Tag in der Stadt oder ein einem kleinen Café zu verbringen. Ich blicke durch mein Fenster in die Ferne, muss mich dann jedoch zurück an meinen Schreibtisch setzten, um die Schulaufgaben zu erledigen, die uns an unseren letzten Schultag aufgegeben wurden. Der Berg an unerledigten Aufgaben thront neben mir und wartet darauf, erledigt zu werden. Langsam arbeite ich mich durch die Aufgaben. Es sind viele, jedoch sollen diese den verpassten Unterricht dieser Woche ersetzten und auch für die kommenden ist vorgesorgt. Ich muss mir den verpassten Lernstoff selbst beibringen und damit üben, eine schwierige Aufgabe, jedoch nicht zu umgehen. So geht es vielen Schülern gerade. Das Zimmer, in dem man sich früher noch zurückziehen konnte, ist nun ein Ort des Lernens geworden.

Für viele Schüler ist dies eine völlig neue und unbekannte Aufgabe, mit der sich viele erst bekannt machen und sich zurechtfinden müssen. Das Verlangen, sich an diesen unterrichtsfreien Tagen mit Freunden zu treffen oder in die Stadt zu gehen ist groß, jedoch muss auf das in dieser merkwürdigen Zeit verzichten werden.
Auch ich musste mich am Anfang dieser Zeit neu sortieren und lernen, mit dieser noch unbekannten Situation umzugehen. Die Aufgaben müssen erledigt werden und den Lehrern geschickt werden. Alles neue Erfahrung, die die meisten von uns Schülern so noch nie erlebt haben.
Das alles hat aber auch gute Seiten, die einem erst bewusstwerden, wenn man sich selbst in dieser Lage befindet. Man kann seinen Morgen selbst gestalten, das Frühstuck mal ein bissen aufwendiger zubereiten, einen ausgedehnten Spaziergang durch den Wald machen, das Wetter zu genießen oder sich einmal von dem Schulstress zu entspannen. Man darf in dieser Zeit auch nicht vergessen, sich nicht zu überarbeiten und sich auch mal zurück zu lehnen und die freie Zeit dazu nutzen, sich einmal neu zu sortieren, um Überblick zu bekommen.

Das Wichtigste ist, sich noch einmal klar zu machen, warum man gerade zu Hause ist. Der Virus mag für uns Jugendliche nicht allzu gefährlich sein, jedoch ist das nicht für alle so. Es gibt viele Menschen, für die dieser Virus äußerst gefährlich werden könnte. Diese Menschen müssen geschützt werden und da müssen wir alle zusammenhalten, um den Virus Covid-19 zu verlangsamen und in den Griff zu bekommen.

Chiara Klasse 9a

 

Reportage über die „Coronaferien“ Unterricht allein zuhause

23.März 2020 – 10:30 Uhr

Neue Erfahrung: Homeschooling – Franzi berichtet über ihre Erfahrungen der ersten Woche.
„Ich vermisse meine Freunde, zuhause fällt mir blad die Decke auf den Kopf“, sagt Franzi. Sie ist Schülerin am Mädchengymnasium St. Agnes in Stuttgart, wohnt jedoch im 30 km weit entfernten Urbach. Wenn sie nicht gerade am Schreibtisch sitzt, findet man sie mit der Nase in einem Buch oder beim Sport an der frischen Luft. Seit einer Woche schon spielt sich ihr Leben ausschließlich in der sonnengelben Doppelhaushälfte mit Garten nahe am Ortsrand ab, Tag und Nacht zusammen mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder.

Schule digital über IServ

Um das Mädchengymnasium in der Stattmitte ist es gespenstisch still, normalerweise wuselt es hier morgens von Lehrern und Schülerinnen, die mit ihren Freundinnen schwatzend von den Bahnen kommen. Nicht so in dieser Zeit: Alle Schulen sind geschlossen, jeder sitzt zuhause in seinen vier Wänden und arbeitet an den Materialien, die über die App IServ von den Lehrern und Lehrerinnen an die Schüler weitergegeben wurden. Für viele stellt diese Situation eine Herausforderung dar: Jeder muss sich selbst organisieren, Unterrichtsstoff selbst strukturieren, konzentriert arbeiten und sich nicht von Handy oder Ähnlichem ablenken lassen.

Eigener Stunden- und Zeitplan

Franzi hat sich eine genaue Struktur überlegt, wie sie in den kommenden Wochen arbeiten will: Sie hat sich selbst einen Stundenplan überlegt, nach dem sie diese Woche gearbeitet hat. Jeden Tag stehen vier Fächer in Pastellfarben auf dem Plan, für welche sie sich jeweils 60 min Zeit nimmt. Sie findet diese Art der Selbstorganisation sehr gut; selber seine Zeit einteilen und planen zu können, gefällt ihr: „Ich muss nicht mehr zwei Stunden am Tag in der Bahn verbringen und kann selbst entscheiden, wie lang und wann ich welches Fach bearbeiten möchte. Wenn ich es schaffe, den Morgen diszipliniert durchzuarbeiten, habe ich mittags Zeit für Dinge, die mir mehr Spaß machen“. Ihre Meinung teilen jedoch nicht alle: Jule, eine Freundin von Franzi, die ebenfalls in Urbach wohnt, kann sich zuhause nicht konzentrieren und vermisst die Atmosphäre in der Klasse. Ihr ist die feste Struktur des Schulalltags viel lieber.
Franzi sagt jedoch auch, dass sie auch mittags schon Schularbeiten erledigt hat, weil ihr sehr langweilig war. Befänden wir uns nicht in dieser Ausnahmesituation, wäre sie in dieser Woche schon diversen Hobbies nachgegangen: Leichtathletik, Klavierstunden, Tanzkurs, Hilfe im Kinderturnen, etc. So jedoch weiß sie nicht wirklich, was sie mit ihrer Zeit anfangen soll.

Kaffeekränzchen am Telefon

Eine Sache stört Franzi am meisten: Sie kann sich nicht mit ihnen Freundinnen treffen. Diese Woche hat sie schon zweimal mit ihrer besten Freundin Freya telefoniert, chatten tun die beiden stündlich. Sie ist froh, diese Möglichkeiten zu haben, aber es ist nicht mal ansatzweise dasselbe.
„Es ist eine temporäre Lösung für die Krisenzeit, jedoch nicht optimal für immer. 24 Stunden zuhause mit der Familie schürt Konflikte und man weiß nicht, wann man seine Freunde wiedersieht. Ich dachte nicht, dass ich mal die normale Schule vermisse“, sagt Franzi abschließend.

Franziska Kl. 9a