Eine Begegnung mit der Holocaust-Überlebenden Eva Weyl
Sie ist 89 Jahre alt und reist noch immer durch Europa, um ihre Geschichte zu erzählen. Am vergangenen Donnerstag war die Holocaust-Überlebende Eva Weyl aus den Niederlanden per Videokonferenz live an das St. Agnes Gymnasium zugeschaltet. Rund 300 Schülerinnen verfolgten ihren Vortrag gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern einer zugeschalteten Waldorfschule in der Aula. Die konzentrierte Stille während ihres Berichts machte deutlich, wie sehr ihre Worte die Zuhörenden bewegten.
Eva Weyl wurde 1935 im niederländischen Arnheim geboren. Im Alter von sechs Jahren wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie in das Lager Westerbork deportiert – ein Durchgangslager, von dem aus über 100.000 Jüdinnen und Juden in die Vernichtungslager im Osten verschleppt wurden. Dreimal stand ihre Familie auf einer Deportationsliste, dreimal entkam sie nur knapp. Am 12. April 1945 wurde Westerbork befreit. Bis heute feiert Eva Weyl dieses Datum jedes Jahr als ihren persönlichen Feiertag.
Die Schülerinnen erlebten an diesem Morgen weit mehr als eine Geschichtsstunde. Eva Weyl berichtete eindringlich von ihrer Kindheit im Lager, von der Angst und der ständigen Ungewissheit, aber auch von ihren Eltern, die versuchten, ihr trotz der unmenschlichen Bedingungen Geborgenheit zu schenken. Sie sprach ruhig, offen und ohne Verbitterung – und machte zugleich deutlich, wie wichtig das Erinnern auch heute noch ist.
Besonders eindrucksvoll war ihr Appell an die junge Generation: „Ihr seid jetzt meine Zeitzeugen. Vergesst das nicht. Ich brauche euch, damit meine Geschichte weitererzählt wird.“ Mit diesen Worten übertrug sie den Schülerinnen Verantwortung für die Zukunft.
Die Veranstaltung wurde durch eine Kooperation mit der Stolpersteininitiative Stuttgart ermöglicht und vom Kulturamt der Stadt Stuttgart gefördert. Beiden Partnern gilt der herzliche Dank der Schulgemeinschaft.
Für viele Schülerinnen wird dieser Vormittag in Erinnerung bleiben. Die Begegnung mit Eva Weyl zeigte eindrucksvoll, dass Geschichte nicht nur in Büchern existiert, sondern in den Erinnerungen von Menschen – und dass es an der jungen Generation liegt, diese Erinnerungen lebendig zu halten.







